Am Donnerstag, dem 20.2.2020 besuchte Apostel Manfred Schönenborn die Gemeinde Künzelsau-Gaisbach und legte dem Gottesdienst als Textwort Lukas 7, 13-15 „Und da sie der Herr sah, jammerte sie ihn, und er sprach zu ihr: Weine nicht! Und trat hinzu und berührte den Sarg, und die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling, ich sage dir, steh auf! Und der Tote richtete sich auf und fing an zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.“ zugrunde.
In seinem Dienen nahm Ap. Schönenborn in Anlehnung an das Chorlied CM 131 Bezug auf die Aussage, dass Gott uns bewahrt habe „bis zur Stund“. Auch wenn mancher sich frage, wo Gott in seiner persönlichen Situation gewesen sei, so wolle er uns in vielfältiger Weise bewahren: in unserem Glauben, seiner Liebe zu ihm und untereinander, in der Hoffnung auf die Zukunft, in der Weiterentwickelung ins Wesen Christi.
Die dem Gottesdienst zugrunde liegende Geschichte der Witwe zu Nain, deren toter Sohn aus der Stadt getragen wurde, offenbare die doppelte Tragik für die Frau: Erstens hatte sie ihren Mann verloren, zweitens war es der Verlust des einzigen Sohnes, der sie hätte versorgen können. Jesu erkannte die Perspektivlosigkeit und Not der Frau.
Er rief den Jüngling ins Leben zurück, ohne nach Hintergründen, der Lebensgeschichte der Mutter oder des Sohnes zu fragen. Der Apostel führte aus, das sei das Bild für das Wirken des Herrn, der sich vorbehaltlos der in Sünde gefallenen, geistig toten Menschen zugewandt habe. Jesu kam auf die Erde, brachte sein Opfer, ohne eine Erwartung in die Menschen zu setzen, ein Bild für die gesamte Menschheit, die der Herr aus dem Tod zu neuem Leben erwecken wolle.
In dem anderen Bild „Weine nicht!“ sei Jesu die tiefe emotionale Bedeutung bewusst gewesen, wenn man das Leben, sein Liebstes verliert. Er, der Schlimmeres erleben sollte, wollte damals und will auch heute damit sagen: „Ich fühle mit dir, ich kann dich verstehen, ich bin bei dir, kenne dein Leid, deine Sorgen, will dich trösten!“
Im dritten Bild verkörpere die Frau die Gemeinde. Der Apostel verglich den damaligen Trauerzug mit der aktuellen Christenheit, auch unsere Kirche, wo man sich alles positiver vorgestellt habe, wie sich die Gemeinden entwickeln, alles werde immer großartiger, dann komme der Herr. Das Gegenteil habe sich eingestellt: das Christentum werde angefeindet, Christen würden verfolgt, müssten sogar ihr Leben lassen.
Angesichts sinkender Mitgliederzahlen, schwindender Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit, Gemeindeschließungen und -zusammenführungen und nachlassendem Glauben sage der Herr aber: „Komm, steh auf, ich bin auch noch da!“ Auch heute noch sei er in der Lage, da, wo kein Leben mehr vorhanden sei, wieder Leben zu schenken.
In Bezug auf den bevorstehenden Entschlafenengottesdienst könne Gott auch den Seelen im Jenseits wieder eine Perspektive anzubieten. Ap. Schönenborn forderte die Gemeinde auf, nicht im Trauerzug zu verharren, sondern im Freudenzug weiterzuziehen. Es gelte, sich immer wieder vom Herrn aufrichten zu lassen!
Pr. Michael Vogt griff in seinem Mitdienen noch einmal die Szene auf, wo Jesus den Sohn seiner Mutter zurückgibt. Jesu tue es weh, dass wir uns in unserer Sündhaftigkeit immer wieder von Gott entfernen und darunter leiden. Im Hl. Abendmahl trete er für uns ein, gebe uns so seinem Vater zurück, bringe uns wieder in seine Nähe, ein Grund zu großer Freude!
Vor der anschließenden feierlichen Handlung der Heiligen Versiegelung, ging der Apostel auf die durch die Eltern geförderten vorhandenen Gaben der beiden Kinder ein, die in der Heiligen Versiegelung durch die Gabe Heiligen Geistes ergänzt würden. Diese enthalte göttliches Leben und göttliche Kraft und solle dem Menschen helfen, sich auf die Wiederkunft des Gottessohnes vorzubereiten.
Anschließend erhielten die beiden Geschwister vor der Feier des Heiligen Abendmahles aus den Händen des Apostels das Sakrament der Heiligen Versiegelung.
Mit Gebet und Schlusssegen endete der Festgottesdienst, der vom Gemeindechor musikalisch umrahmt wurde.